Heizung

Infrarotheizung: was sie kostet und wann sie erlaubt ist

Günstig in der Anschaffung, teuer im Betrieb — und im Bestandsgebäude oft gar nicht zulässig. Die drei Punkte, die vor dem Kauf zählen.

Zuletzt fachlich geprüft: 25. August 2026

Der Unterschied steckt nicht im Gerät, sondern im Strompreis

Eine Infrarotheizung ist ein Heizpaneel, das Strom in Wärmestrahlung umwandelt. Sie erwärmt nicht die Raumluft, sondern die Flächen, auf die sie strahlt — Wände, Möbel, Menschen. Das fühlt sich bei gleicher Lufttemperatur wärmer an, und genau damit wird geworben.

An der Energiebilanz ändert es nichts. Eine Stromdirektheizung macht aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme. Mehr geht physikalisch nicht, und weniger auch nicht: Der Wirkungsgrad liegt bei 100 Prozent, was zunächst hervorragend klingt.

Der Vergleich kippt erst, wenn man daneben eine Wärmepumpe stellt. Die erzeugt Wärme nicht, sie transportiert sie — aus der Außenluft oder dem Erdreich ins Haus. Aus einer Kilowattstunde Strom werden dabei je nach Anlage und Gebäude drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Beide Geräte laufen mit demselben Strom zum selben Preis; das eine braucht davon aber nur ein Drittel. Was der Umstieg auf eine Wärmepumpe kostet und was davon gefördert wird, steht unter Ölheizung umrüsten.

Im Bestandsgebäude gilt eine Dämm-Hürde

Seit der Modernisierung des Gebäudeenergierechts heißt das maßgebliche Gesetz Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Für Infrarotheizungen ist § 46 einschlägig, denn juristisch sind sie Stromdirektheizungen.

Der Wortlaut von Absatz 1: Eine Stromdirektheizung darf in ein bestehendes Gebäude mit Wohnungen nur eingebaut werden, wenn das Gebäude die Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz nach den §§ 16 und 19 um mindestens 30 Prozent unterschreitet. Gemeint ist damit ein Dämmstandard deutlich über dem, was für Neubauten gefordert wird — in einem unsanierten Altbau ist diese Hürde nicht zu nehmen. Welche Dämmmaßnahmen in welcher Reihenfolge sinnvoll sind und was sie kosten, haben wir getrennt aufgeschrieben.

Zwei Ausnahmen stehen im selben Paragrafen. Die Hürde gilt nicht in einem Gebäude mit höchstens zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer eine selbst bewohnt. Und sie gilt nicht, wenn eine bereits vorhandene Einzelraum-Stromdirektheizung nur ausgetauscht wird (§ 46 Abs. 2).

Wer also im selbstbewohnten Einfamilienhaus Paneele aufhängt, bewegt sich im rechtlich Zulässigen. Wer ein Mehrfamilienhaus damit ausstattet oder eine vermietete Wohnung umrüstet, braucht den Nachweis über den Wärmeschutz — sonst ist der Einbau schlicht unzulässig.

Zwei Untersuchungen, zwei Ergebnisse — und zwei Auftraggeber

Wer nach Belegen sucht, findet schnell zwei Zahlen, die einander ausschließen.

Das Forschungsprojekt IR-Bau der Hochschule Konstanz verglich in der Heizperiode 2018/19 ein Gebäude mit Infrarotheizung gegen eines mit Wärmepumpe. Ergebnis: Die Infrarotvariante verbrauchte rund das 2,9-Fache an Strom.

Eine Untersuchung des Fraunhofer IBP von 2024 kommt zu einem freundlicheren Bild — dort verbrauchte das Infrarotsystem 32 Prozent weniger Endenergie als eine Gasbrennwerttherme im baugleichen Referenzgebäude. Diese Studie wurde von der Interessengemeinschaft Infrarot beauftragt, also vom Verband der Hersteller.

Beide Zahlen können stimmen, weil sie Verschiedenes vergleichen: einmal gegen eine Wärmepumpe, einmal gegen eine Gasheizung. Gegen Gas schneidet Strom besser ab, sobald man Endenergie statt Kosten misst. Für die Kaufentscheidung ist aber die erste Frage die richtige, denn der Wettbewerber im Neubau und in der Sanierung heißt Wärmepumpe, nicht Gastherme.

Bei jeder Zahl, die in einer Werbebroschüre steht, lohnt deshalb der Blick auf die Fußzeile: Wer hat die Untersuchung bezahlt, und wogegen wurde verglichen?

Welche Zuschüsse für den Heizungstausch bereitstehen, steht in der Förderübersicht — für Stromdirektheizungen ist dort nichts vorgesehen.

Die drei Zahlen, um die es geht

37,0 ctStrompreis HaushalteBDEW-Strompreisanalyse, August 2026
1 : 1Wirkungsgrad Stromdirektheizungphysikalische Obergrenze, unabhängig vom Fabrikat
30 %Mindestanforderung im Bestand§ 46 Abs. 1 GModG

Vergleich

Was 10.000 Kilowattstunden Wärme im Jahr kosten

Gerechnet mit 37,0 ct/kWh Strom und 11,93 ct/kWh Gas (BDEW, August 2026). Die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe ist mit 3,5 konservativ angesetzt, der Nutzungsgrad der Gastherme mit 90 Prozent.

KriteriumHeizsystemEnergie im JahrKosten im Jahr
Infrarotheizung10.000 kWh Strom3.700 €
Gasbrennwerttherme11.111 kWh Gas1.326 €
Wärmepumpe (JAZ 3,5)2.857 kWh Strom1.057 €

Der Abstand entsteht nicht durch bessere Geräte, sondern durch das Prinzip: Die Wärmepumpe holt den Großteil der Wärme aus der Umgebung.

Wann eine Infrarotheizung trotzdem die richtige Wahl ist

Es gibt Fälle, in denen die schlechte Effizienz nicht ins Gewicht fällt — weil kaum geheizt wird oder eine Alternative fehlt.

  • Räume, die nur selten warm sein müssen: Gästezimmer, Hobbyraum, Werkstatt
  • Ferienhaus mit wenigen Nutzungswochen im Jahr — die niedrige Anschaffung schlägt den seltenen Verbrauch
  • Dachausbau ohne Anschluss an die vorhandene Zentralheizung, wenn das Verlegen von Leitungen unverhältnismäßig wäre
  • Sehr gut gedämmte Gebäude mit kleinem Restwärmebedarf, in denen sich eine Wärmepumpe nicht amortisiert
  • Übergangslösung, bis eine Photovoltaikanlage steht und der Strom zu großen Teilen vom eigenen Dach kommt
  • Ersatz einer vorhandenen Nachtspeicher- oder Einzelraumheizung — hier greift die Dämm-Hürde nach § 46 Abs. 2 nicht

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Ist eine Infrarotheizung ein Stromfresser?

Sie verbraucht so viel Strom, wie sie Wärme abgibt — eine Kilowattstunde Strom ergibt eine Kilowattstunde Wärme. Gemessen an einem Heizlüfter ist das normal, gemessen an einer Wärmepumpe ist es das Drei- bis Vierfache. Bei 10.000 kWh Wärmebedarf und 37,0 ct/kWh sind das 3.700 Euro im Jahr gegenüber rund 1.060 Euro.

Warum ist eine Infrarotheizung nicht empfehlenswert?

Als alleinige Heizung für ein durchgehend bewohntes Haus ist sie es meist nicht, weil die Betriebskosten das Mehrfache einer Wärmepumpe betragen und die niedrige Anschaffung das über die Jahre nicht ausgleicht. In Räumen mit geringem Heizbedarf oder als Ergänzung zu einer Photovoltaikanlage kann sie dagegen sinnvoll sein.

Wie viel Watt braucht eine Infrarotheizung für 20 Quadratmeter?

Als Faustwert gelten 60 bis 100 Watt je Quadratmeter, abhängig vom Dämmzustand. Für 20 Quadratmeter sind das 1.200 Watt in einem gut gedämmten Raum und bis zu 2.000 Watt im Altbau. Verbindlich ist nur eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 — Faustwerte liegen bei ungewöhnlichen Grundrissen oder großen Fensterflächen daneben.

Darf ich eine Infrarotheizung überhaupt einbauen?

Im selbstbewohnten Gebäude mit höchstens zwei Wohnungen ja. In allen anderen Bestandsgebäuden nur, wenn der bauliche Wärmeschutz die Neubauanforderung um mindestens 30 Prozent unterschreitet (§ 46 Abs. 1 GModG). Wird eine vorhandene Einzelraum-Stromdirektheizung ersetzt, entfällt diese Hürde.

Rechnet sich die Kombination mit einer Photovoltaikanlage?

Sie verbessert die Rechnung, löst das Grundproblem aber nicht. Der Heizbedarf ist im Winter am höchsten und der Solarertrag am niedrigsten; ohne Speicher deckt die eigene Anlage nur einen kleinen Teil der Heizarbeit. Für die Nebensaison und für selten genutzte Räume ist die Kombination dagegen tragfähig.

RS

Redaktion Sanierungsplan

Energetische Sanierung und Gebäudetechnik

Wir rechnen Sanierungsmaßnahmen mit den Zahlen durch, die öffentlich belegbar sind — Gesetzestext, amtliche Statistik, Untersuchungen unabhängiger Institute. Angebote von Herstellern zählen bei uns nicht als Quelle.

Keine VermittlungJede Zahl mit Fundstelle
Zuletzt fachlich geprüft: 25. August 2026

Quellen

  1. § 46 GModG — Einbau einer StromdirektheizungBundesministerium der Justiz, Abruf 2026-08-25
  2. BDEW-StrompreisanalyseBundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, Abruf 2026-08-25
  3. Forschungsprojekt IR-Bau 2 — AbschlussberichtHTWG Konstanz, Abruf 2026-08-25
  4. Studie Fraunhofer IBP 2024 zu Infrarot-Heizsystemen (beauftragt von der IG Infrarot)IG Infrarot — Verband Infrarot-Heizungen Deutschland, Abruf 2026-08-25